Lehr- und Forschungsinstitut für Analytische Organisationsberatung

 
 

Freitag, 01.12.2006 - 20.00 Uhr

 

Erfahrungen bei der Integration der Mehrgenerationen-Perspektive
in die psychoanalytische Arbeit


Dipl.-Psych. Gabriele von Bülow M.A.
 

Der Vortrag beschäftigt sich mit der aktuellen Bedeutung des transgenerationalen Ansatzes und der Integration einer Mehrgenerationenperspektive in die psychoanalytische Arbeit. Anhand von zwei Fallstudien beschreibt die Autorin, auf welche Weise die Erfahrungen der Grosselten-Generation noch das Leben der Enkelgeneration beeinflussen (z. B. in der Wahl des Partners). Durch diese Sichtweise wird nicht selten erst eine bestimmte Symptomatik und Problematik des Patienten verstehbar. Was heilend wirkt ist, dass etwas ans Licht kommen darf, über etwas gesprochen werden darf, was lange Zeit ein wohlgehütetes Familiengeheimnis resp. ausgeklammert war, etwas, worüber nicht kommuniziert wurde und dadurch im familiären Unbewussten wie im Unbewussten des Einzelnen ein unintegriertes Schattendasein fristete.

Es ist die Aufgabe der heute lebenden Generationen, von der archaisch-blinden Verbundenheit mit vergangener familiärer wie kollektiver Geschichte im Sinne einer verstrickten Schicksalsgemeinschaft zu einer bewussten, reifen Anerkennung und Zustimmung zu dieser tiefen Verbundenheit zu kommen - bei gleichzeitiger Lösung und Abgrenzung der eigenen Identität gegenüber allem, was ein erfülltes Leben in Gegenwart und Zukunft verhindert und zerstört. Nur so kann die Kette der von Generation zu Generation weitergereichten Traumatisierungen - eine Kette von Ohnmacht, Verzweiflung und Gewalt - gegenüber anderen und/oder sich selbst - unterbrochen werden. Dadurch wird ein Schritt in der seelischen Evolution des Menschen möglich, der offensichtlich zu seinem Überleben als Gattung notwendig ist.

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