Lehr- und Forschungsinstitut für Analytische Organisationsberatung

 
 
 

Freitag, 16.09.2005 - 20.00 Uhr

 

Gelingende Identitätsentwicklung
Bildungsprozesse im gesellschaftlichen Kontext
Prof. Dr. Heinz Sünker

Heinz Sünker wirft die Frage auf, wie die Bedingungen gesamtgesellschaftlicher Irrationalität, - der Bruch zwischen technologischer Überentwicklung und sozialer Unterentwicklung, der mit der Unfähigkeit, gesellschaftliche Beziehungen zu gestalten, einhergeht - mit dem "Trotzdem" oder "Dennoch" der Möglichkeiten gelingenden Aufwachsens vermittelt werden können.

Das zentrale Problem für die Frage des gelingenden Aufwachsens, für die Frage der Beurteilung "Ist das Aufwachsen gelungen oder nicht?" ist eine Konkretisierung dessen, was wir immer in der Kindheitsforschung als Dialektik von Autonomie und Abhängigkeit bei Kindern wie auch Erwachsenen diskutieren - denn das ist ja eine Gemeinsamkeit trotz der Differenzen in der Lebenslage. Dementsprechend geht es immer um die Frage des  Zusammenhangs zwischen gesellschaftlichen Verhältnissen und der Entwicklung, den Entwicklungsmöglichkeiten unterschiedlicher Menschen, basierend auf der Bildung von Menschenkenntnis und Urteilskraft, um damit Konsequenzen für die Handlungsfähigkeit zu entwickeln. Das führt zu der Erkenntnis: Gelingendes Aufwachsen ist gebunden daran, dass das Kind/ der Jugendliche/ der Erwachsene Zusammenhänge erkennt, Zusammenhänge zwischen Menschen, Zusammenhänge zwischen Institutionen, Zusammenhänge zwischen Strukturen. Es geht also, klassisch gesprochen, um Welterschließung und um Handlungsfähigkeit.

Heinz Sünker stellt anhand von Ausschnitten aus dem Roman von Harper Lee "Wer die Nachtigall stört" sehr anschaulich die unterschiedlichen Formen von Welterschließung und Handlungsfähigkeit und deren individuelle, nachbarschaftliche und gesellschaftspolitischen Bedingtheit dar. Dieser Vortrag  bleibt nicht in einer Negativbeschreibung oder bloßen Kapitalismuskritik verhaften, vielmehr werden die Möglichkeiten gelingenden Aufwachsens und gelingender Identitätsentwicklung unter gesellschaftstheoretischen, bildungsanalytischen und sozialphilosophischen Perspektiven anhand der Fragestellungen und dem Blickwinkel der kleinen "Scout", lebendig herausgearbeitet.

Ein anspruchsvoller Vortrag, der Spaß macht, zur Diskussion ermutigt und neue Handlungsperspektiven eröffnet.