Lehr- und Forschungsinstitut für Analytische Organisationsberatung

 
 

Freitag, 17.06.2005 - 20.00 Uhr

 

Was hält uns gesund?
Salutogenese und Balintgruppe

Dipl.-Soz. Wiss. Anita Zimmermann

Das salutogenetische Modell stellt die Frage nach gesundheitsfördernden Faktoren, die sowohl individuelle als auch soziale und kulturelle Einflüsse einbeziehen. Damit stellt die Salutogenese den Menschen mit seiner Biographie und nicht seine Defizite oder Symptome in den Mittelpunkt. Es sind die individuellen, sowohl kognitiven emotionalen wie auch motivationalen Grundeinstellungen, die von Antonovsky als Kohärenzgefühl zusammenfasst werden, die bedingen, wie gut ein Mensch in der Lage ist, vorhandene Ressourcen zum Erhalt seiner Gesundheit und seines Wohlbefindens zu nutzen.

Leider ist es in unserer Gesellschaft und besonders im Berufsfeld immer noch üblich den Fokus einzuengen. Das hohe Ziel der Fehlerfreiheit in bürokratischen Organisationen erzeugt schnell eine Atmosphäre, in der kreative Prozesse, die mit Risiken des Scheiterns verbunden sind, keinen Platz haben. Der starre Blick auf die Fehlervermeidung fixiert die Aufmerksamkeit auf den Fehler bzw. den potentiellen Fehler und verhindert den Blick auf das Konstruktive, das Innovative, das Gesunde im System. Dabei sind es die positiven und gesunden Anteile und Erfahrungen, die für den Aufbau von Sinnfindung und die Entwicklung eines Grundvertrauens in das eigene Tun bestimmend sind.

Die gruppendynamische Balintgruppe, als sozialenergetisches Feld, schafft gerade diesen kreativen Freiraum. Als ein lebendiges Gebilde von Hinschauenden und Hinfühlenden, das im wechselseitigen Austausch ein Spannungsfeld von Theorie und Praxis, von Anspruch und Wirklichkeit verkörpert und gleichzeitig das eigene Beteiligt-Sein erleben lässt, ist der beste Weg einer Qualitätssicherung und der Entwicklung und Stabilisierung beruflicher Identität.

Analog zum salutogenetischen Verständnis werden Rahmenbedingungen nicht negiert, sondern bilden den Ausgangspunkt subjektiver Betrachtungen und Beurteilungen. Gerade die Vielfalt an Sichtweisen, die in der gruppendynamischen Balintarbeit bewusst und erlebbar werden, erweitern die eigenen Gestaltungsmöglichkeiten. Hier liegt der Zugewinn für Gesundheit und Identität.