Lehr- und Forschungsinstitut für Analytische Organisationsberatung

 
 

Freitag, 18.01.2008 - 20.00 Uhr

 

Das "Dialogische Prinzip" Martin Bubers in der Organisationsberatung
Gerhard W. A. Raddatz, Unternehmensberater und Projektleiter
 


Was heute sich als  berufsbezogene Beratung darstellt, hat viele Gesichter. Unterschiedliche philosophische und kulturelle Konzepte ebenso wie variierende Bedürfnisse und  Fragestellungen über das Tun und Lassen in Beratungsprozessen können somit nicht auf einen Nenner gebracht werden. Eine Beratung in Anspruch zu nehmen, kann unterschiedliche Motive haben, wie zum Beispiel einerseits ein Bedürfnis nach fachlicher Anleitung (aus einer ökonomischen Notlage heraus), andererseits aber auch nach einer dialogischen Begleitung durch einen kompetenten Gesprächspartner bei Problemen, die sich aus den Beziehungsstrukturen im Unternehmen ergeben.
Was macht "in Beziehung sein" eigentlich aus und inwiefern ist es so wichtig für gelingendes Leben?
Was meint "beziehungsorientiertes Arbeiten", ein Schlagwort, das uns heute gerade in beratenden Berufen immer wieder begegnet.
In seinem philosophischen Gedankengut und Lebenswerk zeigt Martin Buber immer wieder Wege auf, mit uns selbst in Kontakt zu kommen, selbst "wesentlich" zu werden und von diesem Punkt aus dem anderen wahrhaft zu begegnen mit ihm in Beziehung zu treten und so Konflikte zu vermeiden und konstruktiv zu lösen.

Eine der wichtigsten Voraussetzungen für gelingende Beziehungen auf jeder Ebene ist es, sich einander verständlich machen zu können.
Martin Buber zeigt uns weit darüber hinaus Dimensionen und Qualitäten von Dialog auf, die darauf abzielen, im Gespräch sich dem Partner wahrhaft zuzuwenden und mit ganzem Wesen einzubringen. Erst in dieser Atmosphäre des wahrhaften SEINS, des sich einander Öffnens als Wesenshandlung im Hier und Jetzt entsteht echtes Gespräch, ereignet sich wirkliches Verstehen und Beantwortet-werden, findet Begegnung und Beziehung statt

Nach einer Studie der Unternehmensberatung Proudfoot vom September 2004, die auf 1.700 Einzeluntersuchungen von Managern in Europa, Asien und den USA beruht, sorgen Managementfehler in Deutschland für einen Schaden von 158 Milliarden Euro jährlich, das sind fast 8 % des Bruttoinlandsprodukts. Als wichtigste Gründe für diese Managementfehler werden unrealistische Zielsetzungen am Markt vorbei, Ignoranz bei auftretenden Problemen oder Abteilungen genannt, die völlig aneinander vorbei arbeiteten. Es ist unschwer zu erkennen, dass sich alle drei Punkte auf mangelhaftes Zuhören zurückführen lassen:

1. das Management hört den Kunden nicht zu ("Markt")
2. Führungskräfte hören ihren Mitarbeitern nicht zu ("Ignoranz"), und
3. Kollegen hören sich gegenseitig nicht zu ("Kooperation)

Ein Lösungsansatz wird in einer neuen Berufsaufassung gesehen, in der eine ausgewogene Balance zwischen Autonomie (des Kunden) und Verantwortlichkeit (des Unternehmensberater) besteht. Es soll gezeigt werden das zur Etablierung dieses Gleichgewichts, das dialogische Prinzip Bubers Wesentliches beitragen kann.