Lehr- und Forschungsinstitut für Analytische Organisationsberatung

 
 
 

Freitag, 22.04.2005 - 20.00 Uhr

 

Über unterschiedliche Führungsstile in Organisationen und Gruppen
Dr. Albrecht Göring, Gruppendynamiker
 

Der Vortrag ist ein Plädoyer für ein tatkräftiges sich Hineinbegeben in Gruppen und Organisationen. Diese sind gekennzeichnet durch dynamische Instabilität und durch Unsicherheit. Dort, wo die Unsicherheit am größten ist, ist auch die Freiheit am größten.

Es geht um das Lesen von Gruppenprozessen und dem eigenen sich Bewegen in Gruppen. So kann man etwa verschiedene Rollen in einer Gruppe oder Organisation einnehmen, etwa die eines Außenseiters, die einer Leitungsfigur, die eines Experten und die eines Mitläufers. All diese Rollen und die Zwischenschattierungen eignen sich aber auch zur Leitung aus diesen Positionen und zeigen sich auch unterschiedlich und wirken auch unterschiedlich auf die Gruppe und auf die Organisation. So ist eine Wirkung durchaus unterschiedlich, ob ich aus einer charismatischen "Vater-Position" heraus leite oder aus einer kühlen technokratischen aber durchaus integeren und mit Detailwissen ausgestatteten Position.

Faszinierend ist, dass das "Orchester" einer Organisation, in der jeder aufgerufen ist, etwas anderes zu machen, sich geradezu zu differenzieren, als Gesamtheit mehr ist als die Summe aller Einzelteile. Diese Erkenntnis ist nicht neu. Sie war schon in der Antike bekannt und findet sich in der Quantenphysik Heisenbergs oder in der Enzyklika mater et magister Papst Johannes XXIII, sie ist Bestandteil des Menschenbildes des Grundgesetzes und natürlich der Väter der "modernen" analytischen Gruppendynamik.

Eine Regel gilt es immer zu beachten: Die Person, die gerade in der Gefahr ist, aus einer Gruppe herausgedrängt zu werden oder sich selbst herauszudrängen ist im Prinzip die interessanteste Person und Position für die Gruppe, da sie in der Regel einen Konflikt für die ganze Gruppe ausdrückt und damit das Entwicklungspotential für die Gruppe birgt.